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Infos zu Kompostställen


Kompostställe für Milchkühe, die ursprünglich in den USA, in Israel, Holland und in den letzten Jahren auch vermehrt in Österreich gebaut wurden, sind momentan stark in der Diskussion. So mag sich auch so mancher Milchviehhalter in unserer Region, der vor einer Stallbaumaßnahme steht, fragen, ob dies nicht ein geeignetes System für ihn wäre. Aus diesem Grund haben wir hier einige Infos zu Kompostställen zusammengestellt:


Stallbau

Beim Kompoststall handelt es sich beim „Design“ eigentlich um einen typischen Tiefstreu-Laufstall mit einem befestigten Fressgang am Futtertisch und einer eingestreuten Liegefläche. Pro Kuh werden mindestens 7,5 m2 Liegefläche benötigt. Die Grundmaße sollten so gewählt werden, dass ein Liegeboxenlaufstall (2- oder 3-Reiher) nachgerüstet werden kann.


Ein typischer Kompoststall.

Blick in einen Kompoststall: vorn die Liegefläche, hinten der Melkstand und links hinten im Bild der angehobene Fressplatz am Futtertisch.


Kompost ist nicht Kompost

Der Gedanke hinter dem Kompoststall ist der, dass organisches Material (Einstreu, Kot und Harn) aerob (d.h. unter Luftzufuhr) von Bakterien und Pilzen zu Kohlendioxid (CO2), Wasser (H2O) und Humus abgebaut wird. Während in den USA auch Grüngut-Kompost verwendet wird, ist dies für unser Klima nicht geeignet, da dieses Material sehr feucht ist. In unseren Breitengraden eignen sich als Einstreu für den Kompoststall Holzspäne, Sägemehl oder auch Hackschnitzel. Auch Strohmehl dürfte geeignet sein, allerdings gibt es hierzu noch keine praktischen Erfahrungen. Bei dieser Einstreugrundlage muss also nicht befürchtet werden, dass sich „schädliche“ Keime im Stall ansiedeln, wie es manche Kompoststall-Kritiker befürchten (diese gehen aber oft davon aus, dass „Biotonne-Abfälle“ oder „fertiger“ Kompost in den Ställen zum Einsatz kommen).


Management

Damit die Kompostierung im Stall funktioniert, muss die freie Liegefläche zweimal pro Tag mit einer Egge oder Fräse bis zu einer Tiefe von 25 bis 30 cm bearbeitet werden. Dies geschieht während der Melkzeiten oder wenn die Tiere am Futtertisch stehen. Nachgestreut werden muss alle 2 bis 6 Wochen, je nach Witterung.
Zu beachten ist, dass durch den Umsetzungsprozess Wärme entsteht (und diese ist auch nötig, damit die Kompostierung funktioniert). So wurden in den Ställen im unteren Bereich der „Kompostmatratze“ ca. 60 – 70 °C, im mittleren Bereich ca. 40 – 50 °C und im oberen Bereich ca. 30 – 40 °C gemessen. Vorteil dieser Hitzeentwicklung ist, dass Unkrautsamen zerstört werden und die Kühe im Winter „warm“ liegen. Im Sommer belastet die Hitze die Kühe jedoch, weshalb es nötig ist, Lüfter einzubauen und für ausreichend Belüftung zu sorgen (Außenklimastall).
Die Gülle, die am Fressplatz anfällt, wird in die Güllegrube geleitet, während der Kompost im Stall zweimal pro Jahr „gemistet wird. Entweder wird der Kompost dann ausgebracht oder (beispielsweise über den Winter) gelagert. Erwähnt werden muss noch, dass der Kompost einen pH-Wert von ca. 8,0 bis 8,6 aufweist, also nicht, wie bei Sägemehl zu vermuten wäre, versauernd wirkt.


Das Auflockern und Durchmischen der Einstreuschicht

Das Auflockern und Durchmischen der Einstreuschicht

Das Bearbeiten der Einstreuschicht mit einer Egge.


Was spricht also für Kompostställe?

• Ein sehr hoher Kuhkomfort, resultierend in höheren Milchleistungen,
• sehr saubere Kühe,
• eine gute Klauengesundheit,
• eine gute Eutergesundheit (niedrige Zellzahlen),
• ein besseres Zeigen der Brunst (allerdings „rindern“ die Kühe kürzer, da die Aktivität im Kompost „anstrengender“ für die Kühe ist),
• eine geringe Arbeitszeitbelastung im Stall (das Auflockern des Komposts dauert bei einem Stall für 50 Kühe ca. zwei bis vier Minuten pro Durchfahrt) sowie auf dem Acker (weniger Gülle, Kompost ist trocken und lässt sich besser ausbringen als Mist) und
• geringe Stallbaukosten durch eine einfache Bauweise (keine Liegeboxenaufstallung) und geringeren Güllelagerraum.


Blick auf die liegenden Kühe.

Die Kühe fühlen sich sichtlich wohl im Kompoststall.


Nachteile der Kompostställe

• Hohe Kosten für Einstreu: Der Bedarf an Sägespäne liegt bei ca. 11 – 16 m3 pro Kuh und Jahr, leider werden Sägemehl und Hackschnitzel immer teurer (hier läuft die Suche nach kostengünstigen Alternativen),
• ohne eine ausreichende Belüftung wird es schnell zu heiß im Stall und
• das Management muss stimmen, damit die Kompostierung optimal abläuft.


Fazit:

Das System „Kompoststall“ steht und fällt mit der Verfügbarkeit von kostengünstiger Einstreu (Sägemehl, Hackschnitzel). Und hier hat sich in den vergangenen Jahren auch in unserer Region eine stetige Kostensteigerung bei allen „Holzabfallprodukten“ gezeigt, weil diese immer stärker gefragt sind (Pferdehaltung, thermische Verwertung, Spannplatten, etc.). Sprich, nur wer Wald besitzt und sowieso bereits Hackschnitzel für eine eigene Heizung erzeugt bzw. wer gute Kontakte zu einem kleinen Sägewerk hat, kann sich die Investition in einen Kompoststall überlegen.
Gleichzeitig wird der Stall, wie jeder andere Stall auch, nur funktionieren, wenn sich der Betriebsleiter mit dem System auseinandersetzt und die Vorgaben konsequent umsetzt. Wenn diese Voraussetzungen gegeben sind, handelt es sich bei den Kompostställen um ein sehr tiergerechtes Haltungssystem, das gerade bei Herdengrößen bis 50 Kühe viele Vorteile bringt und mittlerweile auch bei uns „praxisreif“ ist.

Weitere Informationen erhalten Sie am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Roth.

Quellen:
Siegfried Holzeder, Landwirtschaftskammer Oberösterreich
Betrieb Brandacher, Hochburg-Ach




Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Roth
Johann-Strauß-Straße 1, 91154 Roth
Tel.: 09171 842-0 • Fax: 09171 842-55 • E-Mail: poststelle@aelf-rh.bayern.de