1. Schnitt Grassilage 2020 in Mittelfranken

Grasschwad

Die ersten Untersuchungsergebnisse vom 1. Schnitt 2020 aus dem LKV-Labor in Bayern sind mittlerweile verfügbar.
Die Wachstumsbedingungen für die Grünlandbestände waren auch heuer schwierig, denn ab Mitte März bis Ende April fiel je nach Standort wenig bis gar kein Regen.

Die Wetterstationen in Triesdorf (Landkreis Ansbach) und Federhof (Landkreis Roth) meldeten für den April Niederschlagsmengen von 5,5 bzw. 6,4 mm.
In den Monaten April und Mai lag die Sonnenscheindauer deutlich über dem langjährigen Mittelwert, so dass tagsüber viel Zucker in den Pflanzen produziert wurde, der in den kühlen Mainächten nur in geringem Umfang in Gerüstsubstanzen umgewandelt wurde.
Niederschlagsmengen in mm im Jahr 2020
MonatWetterstation TriesdorfWetterstation Federhof
Januar2119
Februar10688
März3841
April66
Summe171154
Die aktuellen Futteruntersuchungsergebnisse aus Mittelfranken sind unten stehend zusammengefasst. Neben den Durchschnittswerten wurden die kleinsten und größten Werte dargestellt. Bisher wurden 51 Proben vom 1. Schnitt 2020 im Futtermittellabor in Grub untersucht. Die Werte zeigen, dass es sich durchschnittlich um gute Silagen handelt, die der letztjährigen Ernte sehr ähnlich sind.
Futteruntersuchungsergebnisse 1. Schnitt 2020, Mittelfranken
 Durchschnitt 2020von - bisDurchschnitt 2019
Trockenmasse g/kg FM362236 - 522346
Inhaltsstoffe in g je 1000g Trockenmasse  
Rohasche 8767 - 12292
Rohprotein15095 - 211150
Rohfaser244194 - 280241
Zucker8626 - 19776
aNDFom469376 - 573451
ADFom282219 - 367281
Nutzbares Protein (nXP)133107 - 152133
Ruminale N-Bilanz (RNB)3-3 – 9,53
Energie in MJ NEL je 1000 g Trockenmasse6,04,8 - 6,96,0
Trockenmassegehalt
Der Trockenmassegehalt von 362 g/kg Frischmasse und der Rohaschegehalt von unter 100 g/kg TM deuten auf gute Silierbedingungen mit geringer Verschmutzung des Futters hin. Schmutz im Erntematerial könnte buttersäurebildende Bakterien mit ins Silo bringen, mit der Folge von Fehlgärungen. Dadurch würde die Schmackhaftigkeit und Futterqualität erheblich leiden.
Zu trockene Silagen (TM-Gehalte über 400 g/kg FM) können oft nicht ausreichend verdichtet werden und neigen dadurch zu Nacherwärmung und Schimmelbildung.
Rohfasergehalt
Der Rohfasergehalt liegt im Durchschnitt bei 244 g/kgTM. Der Gehalt an ADFom (Cellulose und Lignin) überschreitet mit 282 g/kg TM leicht den Orientierungswert von 260 g/kg TM; gleiches gilt für den aNDFom-Gehalt.
Wir haben es also zum Teil mit gut verdaulichem Futter zu tun. Allerdings weisen die Maximalwerte auf zu spät geerntete und damit verholzte Bestände hin.
Zuckergehalt
Der Zuckergehalt ist mit 86 g/kg TM im Durchschnitt wie schon im Vorjahr relativ hoch, wobei die Spannweite von 26 bis knapp 200 g/ kg TM reicht. Ein hoher Zuckergehalt macht die Silagen schmackhaft, allerdings steigt auch die Gefahr der Nacherwärmung im Silo.
Energiegehalt
Der Energiegehalt von 6,0 MJNEL/kg TM liegt im langjährigen Mittel der Energiegehalte von Mittelfranken. Die Spannweite von 4,8 bis 6,9 MJNEL/kg TM zeigt aber die enormen Reserven in der Praxis.
Proteingehalt
Der Rohproteingehalt erreicht im Schnitt 150 g/kgTM und damit nicht ganz den Zielwert von 160 bis 170 g/kg TM. Dies hängt wiederum mit der Trockenheit und der schlechteren Stickstoffmineralisation zusammen.
Der Gehalt an nutzbarem Rohprotein liegt mit 133 g/kg TM im mittelfränkischen Durchschnitt der letzten Jahre.
Mineralstoffgehalt
Der Mineralstoffgehalt in den Silagen unterliegt natürlichen Schwankungen. In der Milchviehfütterung stehen vor allem die Mineralstoffe Calcium und Phosphor im Vordergrund. In untenstehender Tabelle sind die Gehalte von bisher 20 Untersuchungen im Jahr 2020 dargestellt. Um zu verdeutlichen, wie wichtig es ist, im Rahmen der Rationsberechnung auch die Mineralstoffgehalte der eigenen Grundfuttermittel mit einfließen zu lassen, wird die Schwankungsbreite zwischen dem kleinsten und größten Wert mit aufgeführt. Nur durch eine Untersuchung der eigenen Grundfuttermittel kann die passende Mineralfutterergänzung zugekauft werden. Das schont den Geldbeutel und ist wichtig für die bedarfsgerechte Versorgung der Tiere.
Mineralstoffgehalt 1. Schnitt 2020
Mineralstoffgehalt in 1000g TrockenmasseDurchschnitt 2020von - bis
Kalzium (Ca) in g6,85,5 – 8,9
Phosphor (P) in g3,12,6 - 3,9
Natrium (Na) in g0,90,3 - 2,3
Magnesium (Mg) in g2,41,8 - 3,0
Kalium (K) in g28,322,2 – 34,7
Chlor (Cl) in g6,83,5 - 11,3
Schwefel (S) in g2,41,7 - 3,1
Eisen (Fe) in mg297,5114,6 - 723,6
Kupfer (Cu) in mg7,86,2 - 9,5
Zink (Zn) in mg33,224,6 - 49,1
Mangan (Mn) in mg71,031,8 - 135,4

Wie verhält sich der 1. Schnitt 2020 im Silo und in der Fütterung?

Aufgrund des hohen Zuckergehaltes muss, wie bereits im letzten Jahr, auf eine vollständige Silierung von 6 bis 8 Wochen geachtet werden. Dadurch kann ausreichend Essigsäure als natürlicher Schutz vor Nacherwärmung gebildet werden. Wegen der erhöhten Gefahr von Nacherwärmung und Schimmelbildung sollte ein ausreichender Vorschub von mindestens 30 cm pro Tag erreicht werden.
Mit dem Zuckergehalt steigt auch der Anteil an pansenabbaubaren Kohlenhydraten, so dass es in manchen Betrieben wieder sinnvoll sein kann, Getreide durch Futtermittel mit langsam verfügbarer Stärke, wie Körnermais oder Trockenschnitzel zu ersetzen bzw. den Getreideanteil in der Ration insgesamt zu reduzieren.
Eine Rationsberechnung auf der Grundlage eigener Untersuchungsergebnisse ist auf jeden Fall notwendig, um die Tiere bedarfsgerecht zu versorgen.

Angebot der Futteruntersuchung des LKV Bayern Externer Link