Grundfutterqualität im Erntejahr 2019 in Mittelfranken

Das Wetter 2019

Im Jahr 2019 war die Niederschlagsmenge bis Ende September im Vergleich zum sehr trockenen Vorjahr etwas höher, mit großen regionalen Unterschieden. Das zeigen die in der Tabelle dargestellten Niederschlagsmengen der Jahre 2018 und 2019 von 5 Wetterstationen in Mittelfranken. In fast allen Messstellen fiel im Zeitraum Juni bis August 2019 mehr Regen als im gleichen Zeitraum 2018.
Wetterstationen Aufzeichnungen der Niederschlagsmengen 2018 und 2019
Wetterstationen Niederschlag
gesamt
2018
Niederschlag
Januar bis September
2019
Niederschlag
Juni bis August
2018
Niederschlag
Juni bis August
2019
Anfelden (Lkr. AN)mm50543652150
Triesdorf mm56642199160
Federhof (Lkr. RH)mm616397200164
Obersteinbach (Lkr. RH)mm642478144200
See (Lkr. LAU)mm717570141174

Die Maissilage 2019: Große Spannbreite bei den Erträgen und Energiegehalten

Reifer Maiskolben
In Abhängigkeit von Boden und Niederschlagsmengen haben sich die Maisbestände in Mittelfranken sehr unterschiedlich entwickelt. Die Spannweite reicht von unterdurchschnittlichem Ertrag mit wenig Kolben bis zu durchschnittlich guten Beständen mit guter Kolbenausbildung.
Im LKV-Labor in Grub sind bis Ende Oktober 134 Maissilageproben aus Mittelfranken untersucht worden. Der Durchschnitt der Proben zeigt durchschnittlich gute Qualitäten mit 84 g Rohprotein, 200 g Rohfaser, 408 g aNDF, 325 g Stärke und Zucker. Der Energiegehalt liegt bei 6,6 MJNEL/kg TM.
Die Spannweite vom unteren zum oberen Viertel der Maisproben zeigt deutlich, wie unterschiedlich die Maisbestände sich in Abhängigkeit von Niederschlägen und Boden entwickelt haben.
Rohfaser und aNDF liegen im unteren Viertel mit 217 g bzw. 440 g deutlich höher, als im oberen Viertel. Gleichzeitig liegen die Stärkegehalte im oberen Viertel bei 316 g und im unteren Viertel bei 239 g. Der Energiegehalt reicht von 6,34 MJNEL im unteren bis 6,72 MJNEL im oberen Viertel. Beispielsweise im Raum Roth - Schwabach - Wendelstein auf den sandigen Böden mit gleichzeitig niedrigen Niederschlagsmengen im Juni und Juli konnten die Maispflanzen entweder gar keinen Kolben, oder deutlich kleinere Kolben mit schlechter Einkörnung entwickeln. Die Nährstoffgehalte der Maissilagen entsprechen dem unteren Viertel der Auswertung.
Bei 9 Proben wurde auch der Nitratgehalt mituntersucht und der analysierte Höchstwert von 3439 mg ist typisch für trockenheitsgeschädigte Maispflanzen mit geringem Kolbenanteil.

Tabellen und Infos Maissilage

Auswertung Untersuchungsergebnisse Maissilage Ernte 2019 Mittelfranken
 unteres ViertelDurchschnittoberes Viertel
Trockenmasse g/kg FM334342350
Nährstoffe in g je 1000g Trockenmasse   
Rohasche423837
Rohprotein858480
nXP130133134
RNB-7-8-9
Rohfaser217200194
NDFom440408393
ADFom247226215
Stärke239287316
Stärke und Zucker284325357
Energie in MJ ME je 1000 g Trockenmasse10,5610,9211,07
Energie in MJ NEL in 1000 g Trockenmasse6,346,606,72
Mineralstoffuntersuchung zur Berechnung der Anionen-Kationen-Bilanz
Bei 24 Maisproben wurde auch der Mineralstoffgehalt mit untersucht. Hier fallen z.T. große Schwankungsbreiten vom kleinsten zum größten Wert auf. Natrium und Kalium haben große Schwankungsbreiten, ebenso Chlor und Schwefel, dadurch errechnet sich für die Anionen-Kationen-Bilanz (FKAD) Werte von 153 bis 515 mq.
Im Rationsberechnungsprogramm Zifo sind bei Maissilagen 204 mq eingestellt, in der aktuellen Gruber Futterwerttabelle, S. 39 ist eine Schwankungsbreite von 202 bis 230 mq bei Maissilage wachsreif bzw. milchreif angegeben. Die Rationen für laktierende Kühe sollen auf jeden Fall bei mind. + 150 mq/kg TM liegen, die Rationen für Trockensteher im Zeitraum 3 Wochen vor der Kalbung sollen in einem Bereich von 100 bis 200 mq/kg liegen. Für eine exakte Rationsberechnung hinsichtlich FKAD müssen die tatsächlichen Mineralstoffgehalte der eingesetzten Futtermittel untersucht werden, Durchschnittswerte reichen nicht aus.
Mineralstoffgehalte der Maissilagen
  kleinster Wert Durchschnittgrößter Wert
FKADmq153233515
Kalziumg2,13,05,2
Phosphorg1,62,34,0
Natriumg0,20,41,6
Magnesiumg1,21,83,4
Kaliumg101433
Chlorg0,92,16,1
Schwefelges.g1,01,33,2
Eisenmg5495520
Kupfermg6810
Zinkmg173344
Manganmg163682

Der 1. Schnitt Grassilage brachte gute Erträge

Nach dem Trockenjahr 2018 hatten sich über den Winter bis zum Frühjahr 2019 die Wiesen wieder erholt und der 1.Schnitt Grassilage brachte gute Erträge. Im LKV-Labor Bayern wurden bis Ende Oktober rund 145 Proben vom 1. Schnitt Grassilage aus Mittelfranken untersucht und die Ergebnisse liegen im Durchschnitt. Die Betriebe konnten i.d.R. zum richtigen Zeitpunkt mähen, das zeigt der Rohfasergehalt von durchschnittlich 240 g, die durchschnittliche ADF ist 279 g und aNDF ist 447 g.
Jung geschnittene Grassilagen, die im Energiegehalt im oberen Viertel der Auswertung liegen, haben einen Rohfasergehalt von durchschnittlich nur 218 g, der ADF-Gehalt liegt hier bei 244 g und der aNDF-Gehalt bei 410 g. Diese Silagen sind hochverdaulich und der Kraftfuttereinsatz in der Ration muss entsprechend angepasst werden, damit genügend strukturwirksame Faser im Pansen der Kühe zur Verfügung steht. Grassilagen die relativ spät geerntet wurden, haben mit durchschnittlich 265g wesentlich mehr Rohfaser, liegen mit 5,5 MJNEL/kg TM deutlich unter den 6,0 MJNEL des Mittelwertes der untersuchten Proben und melken entsprechend schlechter.
Zucker ist in den untersuchten Proben mit im Mittel 80 g reichlich vorhanden, das macht die Silagen schmackhaft und steigert die Futteraufnahme. Bei Werten über 100 g Zucker/kg TM in der Grassilage darf nicht zuviel schnellverdaulicher Getreideschrot verfüttert werden, damit die Kühe nicht übersäuern. Hier sollte Körnermais in die Ration aufgenommen werden.

Tabellen und Infos 1. Schnitt Grassilage

Im Jahr 2018 wurden in den Grassilagen 1. Schnitt hohe Rohproteingehalte mit durchschnittlich 170 g/kg TM geerntet, diese Werte werden 2019 bei weitem nicht erreicht. Im Mittel liegt der Rohproteingehalt der untersuchten Proben dieses Jahr bei 148 g/kg TM und schwankt von 133 bis 152 g/kg TM im unteren bzw. oberen Viertel. Offensichtlich war die Witterung im Frühjahr 2019 so, dass für die Grünlandbestände weniger Stickstoff im Boden zur Verfügung stand, ob auch insgesamt weniger gedüngt wurde, muss im Einzelfall abgeklärt werden.
Untersuchungsergebnisse Grassilage 1. Schnitt Mittelfranken
 unteres ViertelDurchschnittoberes Viertel
Trockenmasse g/kg FM340342358
Nährstoffe in g je 1000g Trockenmasse   
Rohasche989285
Rohprotein133148152
nXP122133141
RNB1,62,41,7
Rohfaser265240218
aNDFom497447410
ADFom317279244
Zucker6280108
Energie in MJ ME je 1000 g TM9,3410,1110,80
Energie in MJ NEL je 1000 g TM5,496,036,53
Berechnung der zusätzlichen Kraftfutterkosten zum Ausgleich unterschiedlicher Rohproteingehalten
Bei den Rohproteingehalten liegen zwischen dem oberen und unteren Viertel knapp 20 g je kg TM. Gleicht man diese Differenz bei einer Trockenmasseaufnahme von 6,5 kg Grassilage pro Kuh und Tag mit Rapsextraktionsschrot aus, erhöht das die jährlichen Kraftfutterkosten in einem Betrieb mit 80 Kühen um 2.200€.
Die Rohproteingehalte in den Grassilagen 1. Schnitt schwanken in den Jahren 2017 bis 2019 stark.
Vergleich Qualität Grassilage 1. Schnitt Erntejahre 2017 - 2019
 201720182019
Trockenmasse g/kg FM344350342
Nährstoffe in g je 1000g Trockenmasse   
Rohasche1029592
Rohprotein157170148
nXP132135133
RNB4,162,4
Rohfaser249256240
aNDFom492498447
ADFom303311279
Zucker6347,780
Energie in MJ ME je 1000 g TM9,849,9910,11
Energie in MJ NEL je 1000 g TM5,845,936,03

Der 2. Schnitt Grassilage 2019 ist geprägt von Hitze und Trockenheit

Aufgrund der fehlenden Niederschläge und der hohen Temperaturen sind die Wiesenbestände nach der Ernte 1. Schnitt zwar anfangs noch gewachsen, aber dann schnell verholzt. Das zeigt der durchschnittliche Rohfasergehalt von 270 g und der aNDF–Gehalt von 500 g. Entsprechend niedrig ist der Energiegehalt von 5,42 MJNEL im Schnitt der untersuchten Proben. Zucker ist i.d.R. in den Silagen ausreichend vorhanden.
Das obere Viertel der Grassilageproben wurde jünger geschnitten, es hat durchschnittlich 253 g Rohfaser und 472 g aNDF. Allerdings liegt die Empfehlung für Grassilagen bei max. 450 g aNDF. Rohprotein ist auch im 2. Schnitt nicht übermäßig vorhanden, 147 g im Schnitt der Proben liegt unter der Zielvorgabe von 160 g. Das obere Viertel erreicht das Ziel mit 162 g Rohprotein.

Tabelle und Infos 2. Schnitt Grassilage

Untersuchungsergebnisse Grassilage 2. Schnitt Mittelfranken
 unteres ViertelDurchschnittoberes Viertel
Trockenmasse g/kg FM353338336
Nährstoffe in g je 1000g Trockenmasse   
Rohasche10710399
Rohprotein132147162
nXP114124132
RNB2,83,84,5
Rohfaser284270253
aNDFom520500472
ADFom347320294
Zucker424554
Energie in MJ ME je 1000 g TM8,629,259,86
Energie in MJ NEL je 1000 g TM4,995,425,85
Grundfutteruntersuchung und Futterrationsberechnung
Eine Grundfutteruntersuchung und eine Futterrationsberechnung sind auf jeden Fall notwendig, um die Milchkühe bedarfsgerecht zu versorgen!