Tränkegestaltung
Wasserversorgung in der Rinderhaltung - Teil 2

Tränkebecken am Futtertisch

In der letzten Ausgabe haben wir über Bedeutung, Qualität und Untersuchungsmöglichkeiten des Tränkewassers berichtet. In dieser Ausgabe widmen wir uns der Tränkegestaltung.

Zurückgehende Futteraufnahme und sinkende Milchleistung sind mögliche Folgen von Wassermangel. Im Extremfall kommt es auch zu Vergiftungserscheinungen durch eine zu geringe Harnproduktion. Bei Durst geht der Organismus der Kuh in einen Wassersparmodus über und produziert das wassersparende antidiuretische Hormon ADH, das die Rezeptoren für Oxytocin besetzt. Dadurch kann es zu Wehenschwäche und geringerer Milchleistung kommen.
Deshalb ist es umso wichtiger, sich um eine gute Wasserversorgung im Stall zu kümmern. Nicht nur die Wasserqualität ist entscheidend, auch die Tränkegestaltung.
Wasseraufnahme von Rindern
Eine Kuh nimmt 50 bis 150 Liter Wasser pro Tag auf - abhängig von Milchleistung, Umgebungstemperatur und Körpergewicht des Tieres.
Anhaltswerte für die Wasseraufnahme von Rindern
Umgebungstemperatur 5 °C15 °C28 °C
Kalb90 kg LM8913
 180 kg LM141723
Färse360 kg LM243040
 545 kg LM344155
Kuh Trockenstehend630 kg LM374662
Kuh laktierend9 kg Milch/Tag465568
 27 kg Milch/Tag8499104
 36 kg Milch/Tag103121147
 45 kg Milch/Tag122143174
Quelle: DLG-Merkblatt 399
Eine Kuh säuft durchschnittlich eine halbe Minute und dies zwischen 5 bis 25 Mal pro Tag. Bei großem Durst liegt die Wasseraufnahme bei bis zu 25 Liter pro Minute. Deshalb sollte der Wasserzulauf auch bei mindestens 20 Litern pro Minute liegen.
Rinder sind Saugtrinker, das heißt sie nehmen das Wasser bevorzugt von einer freien Oberfläche auf. Das Flotzmaul taucht dabei einige Zentimeter ins Wasser ein, wobei die Nasenlöcher zur Atmung freibleiben. Am besten eignen sich Trogtränken, die durch ihren Wasservorrat die notwendige Wassermenge pro Trinkvorgang bereitstellen. Besonders bei Einzeltiertränken ist auf den Wasserzulauf zu achten.
Wasserstandhöhe
Die optimale Wasserstandhöhe beim Tränkbecken liegt bei 60 cm. In der Praxis wird häufig beobachtet, dass die Tränken zu hoch sind, und die Kühe dadurch nicht ergonomisch und artgerecht trinken können. Eine Wassertiefe von 10 bis 15 cm reicht in der Regel aus.
Anzahl der Tränkestellen pro Tiergruppe
Generell sollten pro Stalleinheit immer 2 Tränken zur Verfügung stehen. Dies soll gewährleisten, dass bei einem Defekt oder einer Verunreinigung einer Tränke oder falls ein ranghohes Tier eine Tränke längere Zeit blockiert, die Tiere trotzdem Zugang zu Wasser haben.
Pro 20 Tiere sollte zudem eine weitere Tränke zur Verfügung stehen. Für die Praxis gilt folgende Formel:
Anzahl der Tränken =Anzahl Tiere pro Gruppe : 20 + 1
Tränketroglänge
Die Tränketroglänge pro Kuh sollte als Faustzahl 6 bis 10 cm betragen. Das heißt, für 100 Tiere werden mindestens 600 cm Troglänge benötigt.

Zusätzliche Empfehlungen

  • Gute Erreichbarkeit: maximal 15 bis 20 m bis zur nächsten Tränke
  • Nicht in Sackgassen
  • Ausreichend Standraum um die Tränke (keine Blockaden durch ranghohe Tiere)
  • Keine Konkurrenz durch Kuhbürsten oder Ähnliches
  • Keine Behinderung beim Saufen durch die Aufstallung.
Trogtränke in der Nähe eines AMS
Abstände
Den meisten Durst haben die Kühe erfahrungsgemäß nach dem Melken und beim Fressen. Zwischen dem Melkstand- und Melkroboterausgang und der nächsten Tränke sind einige Meter Abstand einzuplanen, damit es zu keinem Rückstau kommt. Wenn es die räumlichen Gegebenheiten zulassen, wäre auch eine Wasserversorgung beim Melken denkbar.
Trogtränke
Sauberkeit
Das A und O bei der Tränke ist die Sauberkeit! Kühe haben einen sehr feinen Geruchssinn und reduzieren die Wasseraufnahme deutlich, wenn das Wasser nicht frisch und schmackhaft ist. Deshalb müssen die Tränken täglich kontrolliert und gereinigt werden.
Quellen
  • DLG Merkblatt 399: Wasserversorgung in der Rinderhaltung
  • Wasser - das wichtigste Futtermittel (Dr. Hubert Schuster, LfL)
  • Wolfgang Müller (LVFZ Achselschwang)

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