1. Schnitt Grassilage 2019

Gras Häckseln 2

Die Vegetationsperiode 2019 begann mit viel Sonne und milden Temperaturen. Im April bremste die Trockenheit die Massenentwicklung auf den Wiesen. Im Mai sorgte der Regen für ein rasches Wachstum. Die Niederschlagsmengen in Mittelfranken im Mai schwankten zwischen 75 und 100 mm.

Durch den Sonnenschein tagsüber wurde viel Zucker in den Pflanzen produziert, der allerdings in den kühlen Nächten in geringeren Teilen als üblich in Gerüstsubstanzen umgewandelt wurde. Der 1. Schnitt 2019 wird aufgrund der knappen Vorräte aus dem Dürrejahr in vielen Fällen bereits verfüttert. Die aktuellen Futteruntersuchungsergebnisse aus Mittelfranken sind unten stehend zusammengefasst. Als Vergleichswerte sind die Untersuchungsergebnisse aus ganz Bayern und die Tabellenwerte daneben gestellt.
Futteruntersuchungsergebnisse 1. Schnitt Grassilage 2019
 MittelfrankenGesamtbayernTabellenwerte
Trockenmasse g/kg FM330340350
Nährstoffe in g je 1000g Trockenmasse   
Rohasche (XA)8994108
Rohprotein (XP)152157165
Rohfaser (XF)230218256
Zucker (XZ)8910515
aNDFom431417515
ADFom267252281
Nutzbares Protein (nXP)136140136
Ruminale N-Bilanz (RNB)335
Energie in MJ NEL je 1000 g TM6,196,426,04
Schmackhafte, junge und hochverdauliche Silagen
Bisher wurden 41 Proben vom 1. Schnitt 2019 im Futtermittellabor in Grub untersucht. Die Werte zeigen, dass es sich um schmackhafte, junge und hochverdauliche Silagen handelt.
Trockenmassegehalt
Der Trockenmassegehalt von im Schnitt 330 g/kg Frischmasse und der Rohaschegehalt von unter 100 g/kg TM deutet auf gute Silierbedingungen mit geringer Verschmutzung des Erntematerials hin. Durch den Schmutz im Futter können Clostridien in das Futter gelangen, die Buttersäure produzieren, was die Futteraufnahme verringert.
Rohproteingehalt
Der Rohproteingehalt von 152 g ist leicht unterdurchschnittlich, der Gehalt an nutzbaren Protein entspricht allerdings den langjährigen Mittelwerten.
Zuckergehalt
Der Zuckergehalt ist mit 89 g/kg TM realtiv hoch. Dies macht die Silagen schmackhaft, allerdings steigt auch die Gefahr der Nacherwärmung im Silo an. Aufgrund des hohen Zuckergehaltes der Grassilage sollte auch der Gesamtzuckergehalt in der Ration beachtet werden. Der Grund für den hohen Zuckergehalt sind die kühleren Nächte, in denen weniger Zucker in Gerüstsubstanzen (Cellulose, Hemicellulose, Lignin) umgewandelt wurde. Deshalb stiegen auch die Werte, die ein Maß für Struktur und Verholzung sind langsamer an. Der Rohfasergehalt von durchschnittlich 230 g/kg TM, sowie der durchschnittliche NDF-Gehalt von 431 g/kg TM und ADF- Gehalt von 267 g/kg TM zeigen, dass das Gras wenig verholzt war.
Energiegehalt
Der Energiegehalt ist mit 6,2 MJ NEL gut und liegt über dem langjärigen Schnitt. Die Werte stammen von den ersten 41 untersuchten Proben und sind relativ jung geschnitten. Bei späteren Erntezeitpunkten sind die Gehalte von Energie und Rohprotein voraussichtlich etwas niedriger.
War die Silierung erfolgreich?
Diese Frage kann mit Hilfe des pH-Wertes der Silage beurteilt werden. Dieser sollte bei Grassilagen zwischen 4,0 und 4,8 liegen. Je nässer die Silage, desto niedriger sollte der pH-Wert sein. Hohe pH-Werte treten bei höheren Trockenmassegehalten oder bei nicht erfolgreichem Silierprozess auf. Bisher wurden in Mittelfranken nur 4 Silagen auf Gärparameter untersucht, diese hatten im Schnitt einen pH-Wert von 4,6.
Ist es sinnvoll den Mineralstoffgehalt bei Silagen mit untersuchen zu lassen?
Ja! Denn dieser unterliegt natürlichen Schwankungen. Wer den Mineralstoffgehalt kennt, kann bedarfsgerechter und umweltverträglicher füttern. Unten stehende Tabelle zeigt die Gehalte der 1. Schnitte von 2019 und 2018 als Vergleich. Die Werte sind durchaus nicht jedes Jahr gleich. Aus dem Jahr 2019 liegen bisher die Ergebnisse von 16 Proben vor.
Calcium und Phosphor
Generell hat Grassilage einen höheren Mineralstoffgehalt als Maissilage. Besonders wichtig in der Milchviehfütterung sind die Mineralstoffe Calcium und Phosphor. Der Phosphorgehalt liegt dieses Jahr um 0,5 g unter dem Wert von 2018. Die Mineralstoffergänzung sollte deshalb nicht nach Gefühl oder Gewohnheit, sondern nach dem tatsächlich fehlendem Gehalt ergänzt werden.
Mineralstoff Gehalt in 1000 g Trockenmasse1. Schnitt 20191. Schnitt 2018
Kalzium (Ca) in g7,37,2
Phosphor (P) in g3,13,6
Natrium (Na) in g0,81,1
Magnesium (Mg) in g2,42,6
Kalium (K) in g26,930,9
Chlor (Cl) in g5,27,3
Schwefel gesamt (S) in g2,22,6
Eisen (Fe) in mg389,4366,8
Kupfer (Cu) in mg7,78,3
Zink (Zn) in mg30,837,6
Mangan (Mn) in mg66,271,7

Wie verhält sich der 1. Schnitt 2019 in der Fütterung und im Silo?

Aufgrund des Zuckergehaltes muss auf eine vollständige Silierung von 6 bis 8 Wochen geachtet werden. Dadurch kann ausreichend Essigsäure als natürlicher Schutz vor Nacherwärmung gebildet werden. Da die Gefahr von Nacherwärmung und Schimmelbildung erhöht ist, sollte ein ausreichender Vorschub von mindestens 30 cm pro Tag erreicht werden.
Der Anteil an pansenabbaubaren Kohlenhydraten ist höher als zum Beispiel beim letztjährigen 1. Schnitt. Eventuell ist es in manchen Betrieben sinnvoll Getreide durch Futtermittel mit langsam verfügbarer Stärke, wie Körnermais oder Trockenschnitzel zu ersetzen. Ebenso kann es aufgrund des niedrigeren NDF-Wert sinnvoll sein, den Strohanteil in der Ration zu erhöhen.
Eine Futterrationsberechnung ist auf jeden Fall notwendig, um die Milchkühe bedarfsgerecht zu versorgen!