Stoffstrombilanz

Nach der neuen Düngeverordnung ist zukünftig auch eine Stoffstrombilanz zu erstellen. Die Stoffstrombilanz ist die Gegenüberstellung von Nährstoffzu- und Nährstoffabfuhr bei Stickstoff und Phosphat im landwirtschaftlichen Gesamtbetrieb.

Zur Nährstoffzufuhr zählen der Zukauf von Düngemittel, Saat- und Pflanzgut, Pflanzenhilfsmittel, Kultursubstrate, Bodenhilfsmittel, Futtermittel, Nutztiere, die N-Zufuhr durch Leguminosen und sonstige Stoffe. Von der Nährstoffzufuhr wird die Nährstoffabfuhr, also der Verkauf oder die Abgabe von pflanzlichen und tierischen Erzeugnissen, Düngemittel, Saat- und Pflanzgut, Pflanzenhilfsmittel, Kultursubstrate, Bodenhilfsmittel, Futtermittel, Nutztiere und sonstige Stoffe abgezogen.
Grenzwert nicht überschreiten
Der Stickstoffsaldo der Stoffstrombilanz darf entweder 175 kg N pro Hektar oder den betriebsspezifisch berechneten Grenzwert (plus 10 %) nicht überschreiten. Für intensive Tierhaltungsbetriebe wird die Berechnung des betriebsspezifischen Grenzwertes empfohlen.

Die Stoffstrombilanz muss ab 2018 von folgenden Betrieben gerechnet werden:

  • Betriebe mit mehr als 50 Großvieheinheiten und mehr als 2,5 GV je Hektar
  • Betriebe mit mehr als 30 Hektar und einem Viehbesatz von mehr als 2,5 GV je Hektar
  • Betriebe mit Viehhaltung, bei denen mehr als 750 kg N eigener Wirtschaftsdünger erzeugt wird und die zusätzlich Wirtschaftsdünger aus anderen Betrieben (mehr als 750 kg N) aufnehmen
  • Betriebe mit Biogasanlagen, die von einem fremden Betrieb Wirtschaftsdünger beziehen
Positive Einflussmöglichkeiten
Die Stoffstrombilanz kann durch folgende Möglichkeiten positiv beeinflusst werden: Da vor allem durch Zukauf von Kraft-, Saft- und Mineralfuttermittel Stickstoff und Phosphor in die Betriebe zugekauft wird, kann durch hohe Leistungen aus dem Grobfutter diese Zukaufsmenge reduziert werden. Dies kann durch sehr hohe Grundfutterqualitäten erreicht und durch Futteruntersuchungen (Rohnähr- und Mineralstoffuntersuchung) überprüft werden.
Weiterhin sollte bei Rationsberechnungen noch stärker als bisher darauf geachtet werden, dass die Bedarfswerte bei nutzbarem Protein und Phosphor eingehalten werden, da nur so eine hohe Ausnutzung der Nährstoffe gewährleistet ist. Die RNB sollte sich im Bereich von 0 bis 10 bewegen. Beim Mineralfutter sollten Typen ohne Phosphor zum Einsatz kommen. Nutzen Sie hierzu die Dienste der neutralen LKV-Fütterungsberater, Telefon: 0981-85453. Ein EDV-Programm zur Berechnung der Stoffstrombilanz wird derzeit von der LfL erstellt und steht in Kürze zur Verfügung.
Welche Möglichkeiten hat ein Milchkuhhalter um diese Bilanz positiv zu gestalten?
Gute Grobfutterqualitäten anstreben, damit weniger Kraftfutter zugekauft werden muss.

Maissilage

Vergleicht man die 25 % besseren mit den 25 % schlechteren Ergebnissen, stellt man doch deutliche Unterschiede fest. Bei den Werten der ADF org. und NDF org. ist bei den schlechteren Proben die Verholzung in den Stängelteilen bereits sehr weit fortgeschritten und damit die Verdaulichkeit der Pflanzen stark abgesenkt, wodurch sich bei den besseren Proben ein Energiegehalt von 7,17 MJ-NEL und bei den schlechteren Proben nur ein Energiegehalt von 6,63 MJ-NEL pro kg Trockenmasse errechnet.

Tabelle Ergebnisse Maissilage

567 Proben Durchschnitt von - bis 25 %
bessere
25 %
schlechtere
TM: 335 (250 - 483) 338 332
Rohasche: 36 (26 - 47) 35 36
RP: 81 (59 - 101) 81 79
nXP: 136 (127 - 148) 140 132
RNB: -8,9 (-12 - -6) -9,4 -8,5
Rohfett: 34 (22 - 52) 38 30
Rohfaser: 185 (131 - 240) 171 199
ADF org.: 232 (164 - 292) 209 255
NDF org.: 379 (300 - 479) 348 408
Elos: 698 (629 - 766) 724 674
MJ-Nel: 6,89 (6,27 - 7,56) 7,17 6,63
Stärke: 371 (228 - 485) 395 347
Nitrat: *) 171 (51 - 806) 134 154
Ca: **) 3,4 (2,4 - 4,6) 3,4 3,4
P: 2,3 (1,5 - 3,0) 2,3 2,2
Mg: 1,5 (1,0 - 2,2) 1,5 1,5
Na: 0,3 (0,2 - 0,4) 0,3 0,3
K: 12,3 (6,1 - 16,0) 11,7 12,5
*) 44 Nitrat-/ **) 103 Mineralstoffproben

Grassilage, 1. Schnitt:

Noch wesentlich gravierender sind die Unterschiede bei den Grassilagen. Bei den schlechteren Proben ist der Gehalt an Rohfaser und ADF org. überhöht (sehr spät geschnitten) und damit die Verdaulichkeit dieser Silagen stark verringert. Daher sind der Rohprotein- und Energiegehalt wesentlich niedriger als bei den besseren Proben.

Tabelle Ergebnisse Grassilage 1. Schnitt

365 Proben
Durchschnitt von - bis 25 %
bessere
25 %
schlechtere
TM: 345 (206 - 627) 359 352
Rohasche: 101 (74 - 172) 96 107
RP: 158 (106 - 220) 165 148
nXP: 132 (108 - 151) 141 122
RNB: 4,1 (-3 - 12) 3,9 4,1
Rohfett: 37 (23 - 51) 38 35
Rohfaser: 247 (193 - 332) 224 272
ADF org.: 301 (222 - 397) 264 340
NDF org.: 487 (364 - 682) 441 536
Gasbildung: 44 (30 - 54) 48 40
MJ-Nel: 5,86 (4,71 - 6,95) 6,36 5,32
Zucker: 65 (3 - 183) 91 44
Nitrat: 384 (52 - 1160) 344 261
Ca: 7,4 (4,5 - 12,8) 7,1 7,9
P: 3,5 (2,5 - 4,8) 3,6 3,4
Mg: 2,5 (1,6 - 5,4) 2,3 2,9
Na: 0,9 (0,3 - 4,1) 1,1 0,7
K: 29,1 (16,8 - 39,2) 28,6 30,2
*) 22 Nitrat-/ **) 149 Mineralstoffproben

Einfluss der Grobfutterqualität auf die Stoffstormbilanz

Auffällig sind zudem die sehr starken Schwankungen bei den "von - bis" Werten. Allein diese großen Schwankungen setzen für eine gute Rationsberechnung eine Futteruntersuchung voraus. Schlechte Grobfutterqualitäten müssen in der praktischen Ration mit Zukaufskraftfutter ausgeglichen werden, es werden also zusätzliche Mengen an N und P in den Betrieb aufgenommen und müssen in der Stoffstrombilanz angesetzt werden.Ohne Berechnung der Ration geht es nicht. An zwei Beispielrationen (teilaufgewertete Ration auf 25 kg Milcherzeugungswert) wird deutlich, wie stark der Einfluss einer guten Grobfutterqualität auf die Stoffstrombilanz ist.
Einfluss einer guten Grobfutterqualität auf die Stoffstrombilanz an zwei Beispielrationen:
Futtermittel kg FM
schlecht
kg FM
gut
Grassilage 22 22
Maissilage 18 18
Gerste 1,9 1,4
Körnermais 2,0 1,3
Viehsalz 0,03 0,03
Rapsextr.-schrot 2,3 1,9
Kohlensaurer Kalk - 0,03
Mineralfutter, 2% Ca, 0,2% P 0,1 0,1
Bei der besseren Grobfutterqualität werden 0,5 kg Gerste, 0,7 kg Körnermais und 0,4 kg Rapsextraktionsschrot weniger benötigt, um den gleichen Milcherzeugungswert zu erreichen.
Inhaltsstoff (schlecht) (gut) +1,4 kg KF
Trockenmasse 19,6 18,1
MJ-NEL 125 125
Rohprotein 2890 2728 +162
RNB 0 0
Phosphor 82,3 74,6 +7,7
Grobfutter 14,0 13,9
Kraftfutter 5,6 4,2 +1,4
Im vorliegenden Fall müssen bei guter Grobfutterqualität 0,7 kg Körnermais und 0,4 kg Rapsextraktionsschrot pro Kuh und Tag weniger eingesetzt und zugekauft werden. Umgerechnet auf z. B. 76 Milchkühe (320 Laktationstage) müssen 268 dt Kraftfutter weniger im Betrieb zugekauft werden und dies bedeutet, dass 794 kg N und 388 kg P2O5 nicht in den Betrieb zusätzlich aufgenommen werden müssen.
Zukausffuttermittel kg (dt) RP P
Körnermais 0,7 63 2,17
Rapsextr.-schrot 0,4 141 4,8
Gesamt: 1,1 204 6,97
Pro Jahr (320 LT): 3,52 dt 65,28 kg 2,23 kg
Pro Jahr (76 Kühe): 267,5 dt 4961 kg 169 kg
Pro Jahr (kg N, kg P2O5): 794 kg N*) 388 kg P2O5*)
*) Umrechnung von Rohprotein auf N: Rohprotein g/6,25 und von P nach P2O5: P g *2,291
Eine P-Reduzierung ist auch durch ein Mineralfutter ohne P möglich. Über Grund- und Kraftfutter kann in der Regel der Bedarf an Phosphor bei der Milchkuh gedeckt werden. Wird also ein Mineralfutter mit 10 % P mit einem Mineralfutter ohne P eingesetzt, können bei 76 Kühen 557 kg P2O5 eingespart werden und die Stoffstrombilanz positiv beeinflusst werden.
100 g Mineralfutter mit 10% P
P (P2O5)
Pro Jahr (320 LT): 3,2 kg
Pro Jahr (76 Kühe): 243 kg
Pro Jahr (kg P2O5): 557 kg P2O5

Tipps für eine positive Bilanz

Das Fazit lautet: Erreicht ein Milchkuhhalter die Grenzen der N und P Stoffstrombilanz nicht, kann er durch folgende Maßnahmen diese Bilanz positiv beeinflussen:
  • Hohe Grundfutterqualität
  • Leistungskraftfutter mit wenig P
  • Futteruntersuchungen nach Nähr- und Mineralstoffen
  • Rationsberechnugen mit angepasster RNB von 0 bis 10

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