Qualitativ hochwertige Grassilage erzeugen
von Fachzentrum Rinderhaltung Roth

Grasschwad

Die Grundfutterqualität und Grundfutterkosten beeinflussen wesentlich die Wirtschaftlichkeit der Milchviehhaltung. Qualitativ hochwertige Grassilage zu erzeugen ist dabei ein wesentlicher Grundstein für die wirtschaftliche Milchproduktion, gerade auch in Zeiten niedriger Milchpreise.

Dieser Beitrag will daraufhin sensibilisieren und Hilfestellung geben. Dazu einige Grundsätze:

Merkmale einer hochwertigen Grassilage:

  • Trockenmasse (TM) 30 – 40 %
  • Rohfasergehalt 220 – 240 g/kg TM
  • Rohaschegehalt < 80 g/kg TM
  • Energiegehalt > 6,3 MJ NEL/kg TM
  • Eiweißgehalt 160 – 180 g RP/kg TM; 135 – 150 g nXP/kg TM
  • Raumgewicht 220 - 250 kg TM/m3

Grundsätze, um diese Werte zu erreichen:

Hochwertiger Pflanzenbestand
Der Wiesenbestand sollte bestehen aus:
  • 70 bis 80 % hochwertigen Gräsern,
  • 10 bis 15 % Leguminosen,
  • und 10 bis 15 % Kräutern.
Hier spielt nicht nur der Standort eine Rolle, auch die Bewirtschaftung hat erheblichen Einfluss. Wo Lücken entstanden sind, z. B. aufgrund von Mäusebefall oder nach selektiven Herbizidmaßnahmen, sind auch immer wieder Nachsaaten durchzuführen. Konsequent durchgeführte Pflegemaßnahmen wie Abschleppen im Frühjahr u. a. wirken vorbeugend gegen eine Bestandsverschlechterung.

Nähere Hinweise dazu: Nachsaat Grünland - LfL Externer Link

Nährstoffversorgung
Eine an den Standort und die Nutzungsintensität angepasste Düngung ist Voraussetzung für optimale Erträge. Der Entzug einer 4-schnittigen Wiesenfuchsschwanzwiese beispielsweise beläuft sich auf 215 kg N, 75 kg P2O5, 240 kg K2O und 35 kg MgO. Nicht vergessen werden sollten auch weitere Nährstoffe wie Natrium und Schwefel.
Für einen hochwertigen ersten Silageschnitt muss die N-Düngung ausreichend zeitig erfolgen. Wegen der dabei noch relativ niedrigen Temperaturen empfiehlt sich hier vorwiegend eine mineralische Düngung. Für die folgenden Schnitte kann man auch sehr gut mit Gülle bzw. Biogasgärresten, evtl. ergänzt durch Mineraldünger, düngen. Dabei sind in Abhängigkeit von der Nutzungshäufigkeit zwei bis drei Einzelgaben mit max. 20 m³/ha möglich.
Diese Gülle sollte bei bedecktem Wetter und nicht zu hohen Temperaturen am besten bodennah ausgebracht werden. Sie sollte möglichst dünn sein, damit sie besser abfließt und vom Boden besser aufgenommen wird.

Grünland - Düngung und Pflanzenbestand - LfL Externer Link

Hinweise zur Düngebedarfsermittlung:

Leitfaden Düngung - LfL Externer Link

SchnitthöheZoombild vorhanden

Gemähte Wiese

Schnittzeitpunkt
Der optimale Zeitpunkt ist gegeben, wenn die hauptbestandsbildenden Gräser sich im Stadium “Ähren-/Rispenschieben“ befinden. In der Regel hat der Bestand zu diesem Zeitpunkt eine Wuchshöhe von 30 bis 40 cm und einen Ertrag von ca. 2 bis 3 kg/m². Das Gras hat hier den höchsten Zuckerertrag und somit eine optimale Silierfähigkeit.
Neben dem richtigen Zeitpunkt ist natürlich das Wetter von entscheidender Bedeutung.
Die Schnitthöhe sollte nicht unter 6 cm sein, weil es damit zu weniger Verschmutzung kommt und v.a. die Bestände wieder schnell antreiben können, da die Reserveorgane geschont werden.
Zetten GrünlandZoombild vorhanden

Zetten Grünland

Schonendes und schnelles Anwelken
Ziel ist ein gleichmäßiger TM-Gehalt von 30-35% TS. Dazu ist das Mähgut möglichst rasch nach dem Mähen – ob mit oder ohne Zetter – gleichmäßig zu verteilen. Das Schwaden sollte so rechtzeitig erfolgen, dass das Grüngut ausreichend angetrocknet ist, aber noch keine größeren Bröckelverluste entstehen.
Ernte mit LadewagenZoombild vorhanden

Ernte mit Ladewagen

Schnelle, schmutzarme Ernte
Die Erntekette ist so abzustimmen, dass das Siliergut nicht zu feucht, aber auch nicht zu trocken in das Silo eingebracht wird. Zu trockene Silagen machen bei der Verdichtung und in der Folge mit Nacherwärmung große Probleme. Die Häcksel- bzw. Schnittlänge sollte in Abhängigkeit vom Feuchtegehalt 2,5 bis 5 cm betragen. Damit erreicht man gute Bedingungen für Verdichtung, Vergärung und Futteraufnahme. Zu beachten gilt, dass je nach Witterung eine Zunahme der TM von 3-5 % je Stunde möglich ist. Hier sollte möglichst flexibel hinsichtlich Mähen, Zetten und Schwaden reagiert werden. Entscheidend ist, dass das Erntegut optimal im Silo ankommt.
Um unnötige Feldverluste zu vermeiden, sollte das Grüngut maximal eine Nacht auf der Wiese liegen.
Gleichmäßige, ausreichende Verdichtung
Das Walzfahrzeug bestimmt die Erntegeschwindigkeit. Hier gilt die Faustregel:
Tonnen Bergeleistung zu Tonnen Walzgewicht = 3-4 : 1
Die gleichmäßig!! aufgetragenen Schichten sollten nicht dicker als 30 cm sein. Das Walzfahrzeug muss die Gelegenheit haben, 2 bis 4 Überfahrten mit langsamer Geschwindigkeit zu machen, bevor die nächste Fuhre eintrifft. Der Reifendruck des Walzschleppers muss mindestens 2 bar betragen.
Wichtig: Bei über 40 % TM ist eine ausreichende Verdichtung kaum mehr möglich.
Wenn die Verdichtung nicht ausreichend gemacht wird, besteht die Gefahr, dass es mit der Silage während der gesamten Entnahme Probleme gibt!
Luftdichte, dauerhafte Abdeckung
Bereits in den ersten Stunden beginnt der Gärprozess. Dieser muss dadurch unterstützt werden, dass der Silostock absolut luftdicht verschlossen wird.
Mit dem Abdecken des Silos ist deshalb unmittelbar nach dem Beenden des Einfüllens zu beginnen. Dabei hat sich bewährt, mit 3 Lagen (Unterziehfolie – normale Silofolie – Siloschutzgitter) zu arbeiten. Viele Betriebe arbeiten auch noch mit einer Silowandfolie. Damit wird v.a. in den Ecken noch eine größere Dichtigkeit erreicht. Die Silosäcke müssen exakt im Anschluss gelegt werden, um einen Lufteintritt zu verhindern. Auch sollten ausreichend Querbänder gelegt werden, damit die Folie gut auf dem Gut aufliegt.
Beim Abdecken muss mit größtmöglicher Sorgfalt gearbeitet werden!!
Silierzusatz nur in bestimmten Fällen
Wenn alle Regeln beachtet werden und gute Bedingungen vorherrschen, sind Silierhilfsmittel nicht notwendig. Unter bestimmten Voraussetzungen, z.B. nasse Wetterbedingungen, ist allerdings der Einsatz empfehlenswert. Dabei ist zu beachten, dass je nach Bedingung unterschiedliche Mittel zum Einsatz kommen müssen. Bei zu feuchtem Siliergut sind chemische Mittel einzusetzen – im Bereich 30 – 40% TM können auch biologische Mittel eingesetzt werden.

Hilfestellung zum Siliermitteleinsatz - LfL Externer Link

Diese Mittel wirken nur unterstützend, können aber keine grundsätzlichen Fehler ausgleichen. Da Silierhilfsmittel auch Kosten verursachen, sollte man sie nur in Ausnahmefällen einsetzen.
SiloanschnittflächeZoombild vorhanden

Geöffnetes Silo

Ausreichend Vorschub bei der Entnahme
Um eine Nacherwärmung und somit Verlust und Probleme bei der Verfütterung zu vermeiden, ist eine ausreichende Entnahmemenge notwendig. Als Regel gilt hier, dass im Winter 1 Meter Vorschub pro Woche und im Sommer 2 Meter pro Woche erreicht werden sollten. Dies gilt v.a. für Silagen, die weniger stabil sind.