Erzeugung gestalten – Arten erhalten
Biodiversität in den Landkreisen Roth, Nürnberger Land und der Stadt Schwabach

Wabenförmig angeordnete Bilder und Schriftzug "Produktion gestalten, Arten erhalten"

Biodiversität steht für die Vielfalt des Lebens auf unserer Erde. Im Ökosystem sind Mensch, Tier, Pflanze und Landschaft miteinander verwoben. Wer diese Vielfalt schützt, sorgt für eine intakte Umwelt, mehr Lebensraum für Insekten und damit auch für Lebensqualität und Wohlergehen aller.

Unser Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten unterstützt Landwirte, eine nachhaltige Bewirtschaftung umzusetzen. Förderprogramme werden stärker auf Biodiversität ausgerichtet, der Trend zur Regionalität wird gestärkt.

Aktuelles

Zukunft pflanzen in Hersbruck
Kreisverband für Obst und Gartenbau und AELF pflanzen Streuobstbäume

Der Landkreis Nürnberger Land hat eine kleinflächige Acker- und Wiesennutzung, Heckenstrukturen und Feldraine sowie viele Streuobstbäume. Damit liegt er hinsichtlich der Biodiversität bayernweit vorne. "Aber auch das kann noch verbessert werden", unterstrichen die Vorsitzende des Kreisverbandes für Obst- und Gartenbau Hersbruck e.V., Nadine von Haßel-Geiger, Behördenleiter Werner Wolf und Fachberater Ludwig Prey vom AELF im Herbst 2019 mit einer Streuobstpflanzaktion.
Sie pflanzten je 2 Apfel- und 2 Birnbäume, um auf der artenreichen Grünfläche am Standort Hersbruck des Amtes die Biodiversität weiter zu fördern. Hinzu kommen noch ein Insektenhotel und Vogelnistkästen.
Freiwillige Maßnahmen der Landwirte
Wolf betonte, dass die 931 Landwirte im Landkreis auf über 25 % der bewirtschafteten Fläche bereits freiwillige Maßnahmen durchführen, die sich auf die Biodiversität auswirken.

Dazu gehören zum Beispiel:

  • Anlage von Blühflächen
  • späte Schnittnutzung auf dem Grünland
  • Anlage von Streuobstflächen
  • Ökologischer Landbau
Jeder kann beitragen
Die Pflanzaktion verdeutlicht nach Wolfs Aussage, dass jeder – sei es Behörde, Fima oder Privatmann – dazu beitragen kann, Lebensräume für Tier und Pflanzen zu erhalten und zu verbessern. Der Kreisverband für Obst- und Gartenbau mit seinen Ortsvereinen habe sich dies bereits seit über 100 Jahren zur Aufgabe gemacht.

Obstbörse in Schwanstetten
Streuobst – Vielfalt für Wiese, Teller und Vorratskammer

Die Obstbörse in Schwanstetten im Oktober 2019 stand im Zeichen von Streuobst und Biodiversität. Am Stand des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Roth beleuchtete eine Plakat-Ausstellung unter anderem, welchen herausragenden Beitrag Streuobstwiesen für Biodiversität, Gesellschaft und Landwirtschaft liefern.  

Auch den dramatischen Rückgang der Sortenvielfalt bei Streuobst im Zeitablauf veranschaulichte unser Amt:

  • So hat sich in den letzten 50 bis 60 Jahren die Sortenanzahl bei allen Streuobstarten mehr als halbiert.
  • Bei Äpfeln, Birnen und Zwetschgen gingen die Sortenbestände sogar um deutlich mehr als 70 % zurück.
Nicht zuletzt aufgrund eines besonderen Gesundheitswertes und guten Allergiker-Eignung erhalten alte Sorten von der Streuobstwiese aktuell wieder vermehrte Wertschätzung.
Produkte präsentiert
Auch kulinarisch gab es einiges zu entdecken: Die Mitarbeiterinnen der Abteilung Hauswirtschaft zeigten, welche Köstlichkeiten man aus Streuobst herstellen und wie man diese zum Beispiel haltbar machen kann. Diese Kompetenzen vermitteln sie auch den Studierenden der Abteilung Hauswirtschaft an der Landwirtschaftsschule Roth.
Rezepte
Ein Rezept-Faltblatt gab Anregungen zum Ausprobieren. Selbstverständlich durften die Besucher regionale Spezialitäten wie Birnenchips und Brennnesselknäckebrot mit Kräuterhonig oder Quittensenf am Stand probieren. Und wer beim Streuobst-Quartett Baum, Blüte und Endprodukt richtig zuordnete, erhielt ein Bienenweiden-Samentütchen der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL).

Birnenchips selber machen

Birnenchips

  • 2 reife Birnen
  • 3 bis 4 EL Zitronensaft
  • 1 EL Puderzucker
Zubereitung:
2 Backbleche mit Backpapier belegen. Birnen waschen hobeln und in ca. 2 mm dünne Scheiben, nebeneinander auf das Backblech legen.
Die Scheiben mit Zitronensaft beträufeln und dünn mit Puderzucker besieben.
Die beiden Bleche jeweils auf die untere und die 2. Schiene von oben einschieben, bei 70 °C Heißluft ca. 3 bis 4 Stunden trocknen lassen, dabei ab und zu die Bleche durchwechseln. Chips nach dem Trocknen und Auskühlen vom Blech lösen.
Lagerfähigkeit:
In Gläsern oder Dosen eingeschichtet halten sich die Birnenchips mehrere Tage.

20. Kartoffelmarkt in Röttenbach im Zeichen der Biodiversität

Auf dem Festplatz in Röttenbach drehte sich am 6. Oktober 2019 alles um die heimische Kartoffel-Knolle. Der Ausstellungsbeitrag des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Roth stand ganz im Zeichen der Biodiversität. Für die Besucher gab es eine umfangreiche Sortenausstellung bestehend aus annähernd 30 Kartoffelsorten und Informationen über festkochende, vorwiegend festkochende und mehlig kochende Sorten sowie deren Eigenschaften und Verwendung. Ausgewählte und ausgefallene Kartoffelsorten durften die Besucher auch gekocht probieren. 

Schon gewusst? Der Landkreis Roth ist ein Musterbeispiel für Sortenreichtum bei Kartoffeln.
Gerade der Landkreis Roth ist ein Musterbeispiel für Sortenreichtum & Biodiversität: Im Deutschland gibt es mehr als 200 Kartoffelsorten, in sind Europa mehr als 1500 zugelassen. Im deutschen Lebensmittelhandel beschränkt sich das Sortenangebot auf 5 bis 10 Sorten. Kartoffel-Direktvermarkter im Landkreis Roth offerieren dagegen den Verbrauchern rund 50 in Farbe, Form und Beschaffenheit meist sehr vielfältige Kartoffelsorten.

Im fränkischen Sprachraum gibt es außerdem viele Bezeichnungen. Sie reichen von

  • Grundbirnen / Grumbern über
  • Erdäpfel / Erdbirnen bis hin zu
  • Potaken und Pumser.
Kartoffel-Sudoku
Eine Besonderheit am Stand des AELF Roth war 2019 das Kartoffel-Sudoku - basierend auf den ausgefallenen, optisch unterschiedlichen Sorten gelbe Nixe, rote Emmalie, blaue St. Galler und Bamberger Hörnchen. Beim gemeinsamen Rätsel kamen Besucher und Mitarbeiter des AELF spielerisch über Kartoffel-bezogene Themen wie Kochtypen, Farbe und Verwendung ins Gespräch.

Landwirtschaftsschulen präsentieren Ackerschätze auf der Gartenschau

Anlässlich der Gartenschau gestalteten die mittelfränkischen Landwirtschaftsschulen aus Roth, Ansbach und Uffenheim einen gemeinsamen Stand zum Thema "Ackerschätze schützen" in Wassertrüdingen. An mehreren Tagen im Juli suchten die Studierenden den Dialog mit Besuchern in der Scheune Landwirtschaft im Klingenweiherpark.
Ein Schwerpunkt am Stand war das Thema Artenvielfalt. Die Besucher entdeckten zahlreiche alte und neue Kartoffelsorten, bunte Blühflächen als Lebensraum für Insekten oder die fleißigen Regenwürmer bei der Arbeit in Schaugläsern. Anschließend konnte das neue Wissen bei interaktiven Rätseln, einem Kartoffel-Sudoku und einem Sortenquiz abgerufen werden.

Studierende und Kinder arbeiten Hand in Hand
Hotelkette an der Landwirtschaftsschule entstanden

Hotel für Wildbienen

Im Rahmen des Tages der offenen Tür an der Landwirtschaftsschule Roth im März 2019 fertigte eine Gruppe Studierender zusammen mit Kindern Insektenhotels. Dabei gab es für die Kleinen viel zu tun: Löcher anzeichnen, Holz abschmirgeln – damit sich die Insekten nicht an den Flügeln verletzen – und Schilf einlegen.
Gemeinsam mit den jungen Landwirten der Landwirtschaftsschule Roth entstanden individuelle Insektenhotels, die mit nach Hause genommen werden durfen.
Gerade für Wildbienen bieten modernen Gärten immer weniger Nist- und Rückzugsmöglichkeiten. Nun ist ein erster Schritt zu mehr "Hotelzimmern" in unserer Region gemacht! 

Schwerpunkte

Unsere Landwirtinnen und Landwirte schaffen Vielfalt

Zwischenfrüchte vor Siedlung
Die Bäuerinnen und Bauern im Landkreis Roth und der Stadt Schwabach sind unverzichtbare Partner, um unsere Kulturlandschaft zu einem wertvollen Lebensraum für Tier- und Pflanzenarten zu machen. Dabei ist die Art der Landbewirtschaftung, wie z. B. die Größe der Felder oder die Fruchtfolge, ein wesentlicher Faktor, um die Vielfalt in der freien Landschaft zu sichern.
Die Rahmenbedingungen in der Region mit den kleinstrukturierten Flächen (Roth: Ø 1,5 Hektar, Bayern: Ø 1,8 Hektar) sowie die Vielfalt an Kulturen sind vorteilhaft, um Ackerlebensräume für Tiere und Pflanzen zu schaffen.
Beteiligung am Kulturlandschaftsprogramm
Viele landwirtschaftliche Betriebe in der Region nehmen am Kulturlandschaftsprogramm teil. Damit setzen sie auf eine naturschonende landwirtschaftliche Nutzung und fördern die Biodiversität.

Im Jahr 2019

  • ergriffen landwirtschaftliche Betriebe auf 142 Hektaren Maßnahmen, um artenreiche Grünlandbestände zu erhalten und die Grünlandnutzung an Waldrändern zu extensivieren.
  • Auf 4.822 Hektaren wurde eine vielfältige Fruchtfolge umgesetzt. Die Eingliederung von unterschiedlichen Fruchtarten wie z.B. Leguminosen oder alten Kulturen in klassische Fruchtfolgen etablierte alternative Lebensräume für verschiedenste Arten.
  • Auf 443 Hektaren entstanden attraktive Lebensräume auf Zeit, indem ein- oder mehrjährige Blühflächen angesät wurden. Unsere Landwirte haben so einen Rückzugsort für Tiere geschaffen und das Nahrungsangebot für blütensuchende Insekten erweitert.
Schon gewusst? Ca. 3.800 Streuobstbäume erfüllen in der Region wertvolle Funktionen.
Unsere Bauernfamilien pflegen sie seit Generationen. Die Streuobstwiesen stellen dabei nicht nur einen Lebensraum dar, sondern erhalten die genetische Vielfalt und dienen als Erholungs- und Erlebnisraum.

Entdecken Sie die Kulturvielfalt in der Region: