Zukunftswald Rohr

Waldumbau ohne Zaun

Das soll funktionieren? Aber Ja! - Unser erfolgreiches Zukunftswaldprojekt „Rohr“ ist der Beweis.

Durch das gemeinsame Anpacken von Waldbesitzern, Jägern, Forstbetriebsgemeinschaft und Forstverwaltung konnten insgesamt 60 Hektar reine Kiefernwälder im ersten Schritt des Waldumbaus mit Rotbuche ohne Zaun unterpflanzt werden.

Hintergründe

Typischer KiefernwaldZoombild vorhanden

Typischer reiner Kiefernwald auf Sandboden mit flächigen Beersträuchern.

Reinbestände haben im zukünftigen Wandel des Klimas deutlich schlechtere Karten. Das Schadens- und Ausfallrisiko durch Kalamitäten in Folge von Temperatur- und Niederschlagsschwankungen sowie Massenbefall von Insekten ist deutlich erhöht.

Mischbestände hingegen puffern diese Veränderungen besser ab, haben eine höhere Vitalität und Wuchsleistung. Dies macht Mischwald auch aus finanzieller Sicht zu einer sichereren Anlage. In weiten Teilen Mittelfrankens herrscht die Waldkiefer in Reinbeständen vor. Die Reinbestände mit klimastabilen Mischbaumarten anzureichern und dabei eine für den Waldbesitzer einfache und kostengünstige Umsetzung zu bieten ist das Ziel unserer Zukunftswaldprojekte.
Erfolgreich wurde dies erstmals im Zukunftswald Rohr-Gaulnhofen umgesetzt.

Die Strategie hat sich bewährt

Waldumbau ohne Zaun: Ein Drei-Säulen Konzept basierend auf Gemeinschaftsaktioen, Jagd und einer Baumart in großer AnzahlZoombild vorhanden

Waldumbau ohne Zaun: Ein Drei-Säulen Konzept

Ein Waldumbau ist für Sie als Waldbesitzer mit Kosten- und Arbeitsaufwand verbunden. Wenn Sie für Ihre gewünschten Mischbaumarten einen Wildschutzzaun errichten müssen, wird es rechnerisch unwirtschaftlich.

Unsere „Zukunftswaldprojekte“ bieten eine Möglichkeit Ihren Kiefernwald, ohne die kostspieligen Schutzzäune, in klimastabile Mischwälder umzubauen.

Das Drei-Säulen-Konzept basiert auf Dreierlei:

1. Gemeinsam anpacken - eine Gemeinschaftsaktion

Alle Projektpartner arbeiten zusammen und leisten ihren möglichen Beitrag.

  • Selbstverantwortlich entscheidet jeder Waldbesitzer über die freiwillige Teilnahme und den Umfang am Projekt. Je mehr Waldbesitzer mitmachen, desto größer sind die Vorteile für den einzelnen bei der Verbissbelastung, dem Erfahrungsaustausch, der Organisation und den forstlichen Arbeiten.
  • Die Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) hilft ihren Mitgliedern bei allen forstlichen Arbeiten. Zum Beispiel können die Durchforstung, der Holzverkauf, der Pflanzenankauf, die Pflanzung oder auch die Kulturpflege vom Waldbesitzer abgebeben werden um sie von professionellen Dienstleistern ausführen zu lassen.
  • Die Jäger als wichtigste Projektpartner sorgen für einen Wildbestand, der die erfolgreiche Pflanzung ohne Zaun zulässt. Ohne Zaun steht dem Reh weiterhin ein großes Äsungsgebiet zur Verfügung und es kann auf der ganzen Fläche bejagt werden.
  • Die Forstverwaltung in Roth (AELF) übernimmt die Organisation, Koordination und Qualitätswahrung. Sie bietet dem Waldbesitzer kostenlose Beratung und staatliche Fördermittel für die Umbau-Pflanzung.

2. Beschränkung auf eine Baumart

Pflanzer zeigt auf JungpflanzenZoombild vorhanden

Mischwald der nächsten Generation

Im Zukunftswald Rohr haben 31 von 66 Waldbesitzern mitgemacht und gleichzeitig etwa 200.000 Rotbuchen pflanzen lassen. Die gleiche Baumart in derart großer Zahl zur selben Zeit gepflanzt, reduziert die Wahrscheinlichkeit des Wildverbisses für die einzelne Pflanze.

Die Rotbuche wurde als schattentolerante Baumart gewählt, da sie nach einem Verbiss nicht zur Zwieselbildung (Verzweigung) neigt und mit einem zweiten Austrieb im selben Jahr einen Verbiss gut ausgleichen kann.

3. Die Jagd – elementarer Projektbestandteil

Hochsitz im WaldZoombild vorhanden

Die Jagdeinrichtungen müssen leise erreichbar sein und strategisch günstig positioniert werden.

Eine erfolgreiche Wald- und Flurjagd mit allen Fassetten soll angepasste Rehwildbestände schaffen und dadurch den Mischbaumarten eine Chance zum Heranwachsen geben. Je geringer der Wildbestand, desto mehr alternative Äsungsfläche steht dem einzelnen Reh zur Verfügung und desto geringer der Knospenverbiss an gepflanzten Bäumchen.

Im Projektgebiet besteht ein gutes und inniges Verhältnis zwischen den Jägern und den Waldbesitzern. Somit können Probleme schnell und gemeinsam gelöst werden. Zwar kann man im Projektgebiet immer wieder Verbiss an den gepflanzten Buchen finden, dieser ist allerdings tolerierbar, da ein gleichmäßiges und flächiges Aufwachsen der Buche erkennbar ist. Obwohl den Rehen der Lebensraum nicht durch einen Wildschutzzaun entzogen wurde, sind die ersten Bäumchen vom Herbst 2011 bereits dem Verbiss entwachsen.